Nach nun mehr als 3 Monaten Ruhephase kehre ich zurück, um wieder einen kleinen Beitrag zu verfassen. Warum diese „kreative“ Pause? Fast jedes Wochenende bin ich im Land unterwegs, mache endlos viele Fotos und weiß letztendlich nicht, über was ich schreiben könnte. Sicherlich gibt es viele Themen, die interessant sind und euch interessieren würden. Aber es fehlt manchmal der Kick das Richtige zu finden, was für euch interessant erscheinen könnte.
Und somit werde ich heute eine kleinen Beitrag über die Stadt verfassen, in der ich nun schon fast 8 Monate lebe……das politische Machtzentrum des Libanon – Beirut.

Skyline

Warum nenne ich diesen Beitrag „Es war einmal……“?
Wenn ich durch die Straßen in Beirut laufe, sei es die mit Restaurants, Cafés und Bars belebte Gemmayzeh Street, die Hamra , auf der Corniche oder mir die schönen Stadteile Ashafir und Bourj Hammoud anschaue und ich trotz aller Warnungen in der Dahieh auf Entdeckungstour gehe, stelle ich immer wieder fest, dass diese Stadt ein besonderes Flair hat und nicht umsonst als „Paris des Nahen Osten“ bezeichnet wurde. Leider hat das aus meiner Sicht heute keine Relevanz mehr. Denn viele Häuser, die in den Sechziger Jahren im kolonialfranzösischen Stil gebaut worden sind, wurden nach dem Bürgerkrieg nicht wieder aufgebaut bzw. restauriert. Somit hat Beirut als Weltmetropole einiges eingebüßt.
Wo ist der Glanz hin, von dem jeder schwärmt? Ist der Glanz von damals durch die Kriegswirren komplett untergegangen.

Vor einigen Tagen habe ich in einem Schreibwarengeschäft einige interessante Postkarten entdeckt, die Beirut in den Sechziger und Siebziger Jahren zeigen. Zwei davon möchte ich euch gerne zeigen, um euch eine Vorstellung zu geben, wie es vor dem Bürgerkrieg speziell an diesem Ort aussah. Zusehen ist hier der Martyrs Square .

Beirut 1969

Beirut1969

Beirut 1974

Beirut1974
Heute befindet sich auf diesem Platz, neben wenigen Geschäften und einem großen Parkplatzbewirtschaftungsraum, eines der bekanntesten Wahrzeichen der Stadt – die Mohammad Al Amin Moschee. Diese Moschee wurde nach dem Vorbild der Blauen Moschee in Istanbul in der Zeit von 2002 – 2007 erbaut.

Mohammed Al - Amin Moschee

Beirut, die Hauptstadt des Libanon ist in verschiedene Distrikte eingeteilt. Jeder Distrikt hat heute seine eigene Kultur und Religion.

Vor Beginn des Bürgerkrieges ( 1975 – 1990 ) war Beirut eine Stadt, wo Christen, Schiiten, Sunniten, Drusen und viele andere Glaubensrichtungen auf engsten Raum zusammen wohnten, Handel betrieben und sich vergnügten. Durch den Bürgerkrieg kam es dazu, dass schon während des Krieges eine Verschiebung der Konfessionen stattfand. Das passierte unter anderem dadurch, dass während des Bürgerkrieges eine Demarkationslinie in Mitten der Stadt gezogen wurde. Diese Demarkationslinie wurde auch als sogenannte „Green Line“ bezeichnet. Hier wurde Beirut in einen muslimischen und christlichen Teil gespalten.

GreenLine

Die „Green Line“ verlief direkt durch die Innenstadt, wobei hier die größten Zerstörungen entstanden. Heute erinnert diese Brücke an den Verlauf der Demarkationslinie.

Noch heute, fast 15 Jahre nach dem Bürgerkrieg, erinnern Ruinen an eine stark zerstörte Innenstadt.

CinemaAltes Cinema

1994 wurde durch den ehemaligen Ministerpräsident Rafiq al Hariri, der bei einem im Jahre 2005 durchgeführten Bombenanschlag getötet wurde, eine Aktiengesellschaft gegründet, die den Wiederaufbau der Stadt plante und organisierte. Hierbei wurden die Eigentümer der Grundstücke enteignet und ausbezahlt.
Ein libanesischer Kollege erzählte mir, dass seine Eltern in der City ein Haus besaßen. Die Familie wurde enteignet und mit einer Summe von ca. 90.000 Dollar abgefunden. Heute ist das neu erbaute Grundstück ca. 20 Millionen Dollar wert.

Im Zuge der Neuerbauung des Zentrums wurden auch die historischen Souks Beiruts, die während des Bürgerkrieges stark zerstört worden sind, neu konzipiert und wieder aufgebaut. Die Architektur ist sicherlich an denen der alten Souks angelehnt, aber sehr modern und dekadent gehalten.
Die alten Souks, die damals durch Märkte und Straßenhändler geprägt wurden, werden heute durch luxuriöse Einkaufspassagen und Nobelboutiquen wie D&G, Burberry und Co. ersetzt.

Ich denke zu folgenden Bildern passt folgende kleine Beiruter Anekdote.

Farid, ein kleiner Junge aus Beirut fragte seine Mama:
„Welche Stadt ist das?“ und zeigte mit seinen kleinen Fingern auf eine alte Postkarte. Seine Mama antwortete:
„Das ist Beirut, Farid!“
„Beirut?!“

( Aus: „Beirut: Do We Know IT?“ )

Beirut 1958

BeirutSouks

BeirutSouks

Seit Beendigung des Bürgerkrieges wurden Milliarden von Dollar in den neuen Teil Beiruts investiert. Es entstanden moderne Büroflächen und überteuerter Wohnraum.

Aber es gibt auch Bereiche in Beirut, die von ihrer Architektur einfach faszinierend sind.
Wohn- und Geschäftsviertel werden von engen Straßen durchzogen…..

Altes BeirutAltes Beirut
….in Hinterhöfen findet man kleine liebevoll gestaltete Grünanlagen…..

Altes Beirut 1Altes Beirut
…. findet man den Kontrast zwischen alt und neu.

Altes Beirut (1) Altes Beirut
Altes Beirut
Fazit:
Beirut ist eine Stadt der Gegensätze. Viele politische Ereignisse prägten und prägen diese Stadt. Hier vermengen sich Vergangenheit und Gegenwart, Historisches und Modernes. Und das macht die Stadt für mich so interessant.