Warum eigentlich immer nur über Landschaften und Städte schreiben?
Der Versuch mit meiner Kamera das Alltagsleben von Menschen einzufangen, die mehr als 2700 km entfernt meines Heimatlandes leben, war und ist für mich immer wieder eine Herausforderung und gestaltet sich nicht immer einfach.

Die Idee darüber einen Beitrag zu schreiben ist dadurch entstanden, dass ich oft von Einheimischen regelrecht animiert wurde, sie zu fotografieren. Es sind aber auch Fotos entstanden, die ich heimlich gemacht habe. Aber gerade das macht das Fotografieren so spannend und man erhält einen wirklichen Einblick in das Leben eines anderen Kulturkreises.
Es ist mir wichtig meinen Lesern mitzuteilen, dass das Leben nicht nur aus Glanz und Luxus besteht. Wir sollten uns glücklich schätzen mit dem, was wir haben und wie gut es uns in Deutschland geht. Denn nicht weit weg von uns ( was sind schon 2700 km ) gibt es Menschen, die täglich um das Überleben kämpfen und versuchen über die Schrecken vergangener Kriege hinwegzukommen.

Zuvor ich aber meine Fotos in diesem Beitrag präsentiere, möchte ich den Menschen danken, die es mir ermöglichten diese Fotos zu machen und ich möchte mich bei denen entschuldigen, die ich ohne zu fragen einfach fotografiert habe.

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Wie ich bereits in einem meiner Beiträge berichtet habe, leben im Libanon ca. 4,3 Millionen Einwohner. Davon sind ca. 95% arabischer Abstammung. Den zweitgrößten Anteil von 4% sind Armenier und 1% sind anderer Abstammung. Ein Großteil der Bevölkerung wohnt in den Städten und in den Vororten der Großstädte. So ist zum Beispiel Beirut mit ca. 2 Millionen Einwohnern die größte Stadt im Libanon. Wer der Meinung ist, dass das libanesische Volk mit seinen ca. 4 Millionen Einwohnern doch ein ziemlich kleines Volk ist, irrt. Denn weltweit leben ca. 11 Millionen Libanesen. Wobei ca. 7 Millionen Libanesen in Brasilien leben. Die Mehrheit der Libanesen sprechen als Muttersprache libanesisches Arabisch. In den öffentlichen Medien wird mit der hocharabischen Sprache kommuniziert. Einen starken Einfluss hat im Libanon die französische Sprache. In den letzten Jahren hat auch die englische Sprache stark an Einfluss gewonnen. Verständigungsprobleme sollte es also hier keine geben.

Mein Vermieter ist leider nicht der englischen Sprache mächtig. So schickt er immer seinen 10 jährigen Sohn an die Tür, der meine Probleme tapfer und souverän seinem Vater erklären kann :-). Übrigens verwenden 2/3 der Schüler an den libanesischen Schulen Französisch als Unterrichtssprache.

Nicht immer gelingen mir erstklassige Aufnahmen auf meinen Touren quer durch das Land. Trotzdem denke ich, dass meine hier präsentierten Fotos ein Teil des realen Lebens der Menschen im Libanon widerspiegeln. Die Aufnahmen sind unter anderem in Beirut, Byblos und Sidon (Saida) entstanden.

ByblosHier im Libanon ist Shisha rauchen an vielen Plätzen und in Café´s wichtiger Bestandteil des geselligen Zusammenseins. Laute Musik klingen aus dem 3-er BMW Baujahr 1990, mit Campingstühlen am Straßenrand sitzend, wird der Nachmittag und der Abend im Kreise der Familie und Freunde verbracht.

berlinerontour 7Hochzeit in Beirut. Glückliche Momente…….

berlinerontour 22…..aber auch Momente, die immer wieder zum Nachdenken anregen. Diese Frau mit ihrem Kind, bettelnd in den Straßen von Saida, zeigt wie stark der Libanon in die Flüchtlingsproblematik involviert ist.

berlinerontour 13Im Mai 2014 wurde die traurige Zahl von mehr als 1 Millionen Flüchtlinge im Libanon erreicht. Und es werden von Tag zu Tag mehr.

berlinerontour 8Schuhputzer, ca. 11 Jahre. Um im Alltag zu überleben, müssen Kinder ihren Beitrag zur Ernährung ihrer Familien beitragen.

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Oft sind es palästinensische oder syrische Flüchtlinge, die menschenunwürdige Arbeiten verrichten.

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Freunde für´s Leben. Weit weg von Fernsehen, Computer und Playstation spielen die Kids unbeschwert in den Souks von Saida……..

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……fahren in den engen Gassen Moped…….

berlinerontour 17…..begleiten ihre Väter zum Markt…….

berlinerontour 23…..oder versuchen selbst billige Chinawaren zu verkaufen.

ByblosWer Zeit hat, spielt eine Runde Backgammon…..

Straßenmusiker……oder unterhält Passanten als Straßenmusiker mit der Hoffnung ein Paar Pfund zu verdienen.

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Jeder versucht seinen Lebensunterhalt in irgendeiner Form zu erwirtschaften. Übrigens gibt es im Libanon einen gesetzlichen Mindestlohn. Dieser beträgt 700.000 libanesische Pfund. Das sind umgerechnet ca. 350 Euro.

Das Durchschnittsgehalt liegt in etwa zwischen 490€ und 560€.

Wie viele Paar Schuhe muss man flicken, um in etwa dieses Gehalt zu verdienen?

berlinerontour 20 Wie viele Produkte muss man auf einheimischen Märkten verkaufen, um täglich überleben zu können?

Beirut

Beirut

Und trotzdem scheint es, dass auch hier die Menschen glücklich und zufrieden sind mit dem, was sie haben.

 

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Beirut

Das ist nur ein kleiner Ausschnitt aus dem täglichen Leben im Libanon. Sicherlich werden in den nächsten Wochen weitere Fotos und Berichte folgen.